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Reitsport Weser-Ems Nr.10 09.10.1992

Junioren-EM 1992

Bei meist goldigen Spätsommertagen fanden die Europameisterschaften der Junioren in der Vielseitigkeit in Langenhagen bei Hannover statt. Die Jugend kam mit Pferden, Tierarzt, Chef d'Equipe und Anhang aus 14 Ländern angereist. Daß zehn Mannschaften zusammenkamen, war ein so hohes Ergebnis wie nie zuvor. Daß neun Teams durchkamen und nur die österreichische Mannschaft "platzte", ist den vorzüglich aufbauenden Martin Plewa mit Claus Münkel, Heinz Glöde und Uwe Braunroth zu danken. Sie hatten die rund 5 km Querfeldeinstrecke mit 27 Hindernissen gespickt. Sie paßten sich sehr gut dem Heide-Sandboden-Gelände an, und vieles war mit viel Mühe und Sorgfalt neu gebaut worden. Darunter gab es mehrere Kombinationen und Alternativen. Letztere -etwas erleichtert, aber mehr Zeit kostend - wurden vernünftigerweise gut genutzt. Bekannt ist die herrliche permanente Rennbahn "Neue Bult", die für die sechzig Reiter(innen) für ihre 2 240 m messende Jagdrennbahn (steeple chase) ein besonderes Erlebnis darstellte. Schließlich gibt es sehr selten die Chance, auf solch einer breiten, gepflegten Grasrennbahnstrecke mit den respekteinflößenden Buschhürden reiten zu können.

Es ist daher zu betonen, wie schön es ist, daß solch Ein­vernehmen zwischen dem Verein für Vielseitigkeitsreiterei und dem Hannoverschen Rennverein besteht, daß das Rennbahngelände all die Jahre - seit 1985 gibt es die Große Norddeutsche Vielseitigkeitsprüfung Kl. M als CCN (Concours Complet National) - zur Verfügung steht. Außer einem Ungarn und einem Spanier gab es keine Verweigerung auf der Jagd­rennbahnstrecke. Ein gutes Zeichen für das Gesamtniveau der Teilnehmer.

Nach der Dressur an der Spitze

Dies bestätigte sich auch in den anderen Teilprüfungen. Von den Ausländern kamen erfreuliche Dressurleistungen aus Großbritannien, Frankreich und Italien zustande. Mehrere Deutsche waren überlegen, so daß Deutschland nach der Dressur weitaus an der Spitze stand. Zu den deutschen Einzelreitern gehörte nach sehr sorgfältiger Auswahl auch Matthias Kuhlmann aus Hesepe. Er ritt den braunen Hannoveraner Royal Touch von Rossini mit Der Löwe xx-Blut mütterlicherseits, im Besitz von Hildegard Kuhlmann. Die erst achtjährige Stute zeigte sich in den Bewegungen etwas begrenzt, ebenso in der Rittigkeit bei guten Grundgangarten. Am Geländetag gelang dem 17jährigen das Rennbahnreiten ohne jegliche Minuspunkte; er blieb gut in der Zeit von 3'/2 Minuten, denn er ritt die Strecke in 3 Minuten, 17 Sekunden.

Auf der Qu-Strecke ging an­fangs alles normal, auch die erste recht schwierig ausse­hende Wasserpassage, der Tiefsprung vom Wall davor und die schrägen Hecken danach, ebenso die Röhrensprung-Hecken­-Kombination, aber an einem Baumstamm zwischen zwei Bäumen, als "Ab durch die Mitte" bezeichnet (Nr. 15), gab es 60 Minuspunkte für einen Sturz. Es passierte nichts Ernstliches, und das Paar beendete die Qu-­Strecke ohne weitere Fehler und sogar noch innerhalb der Zeit von 9 '/2 Minuten, nämlich in 9,25 Min. Es trat aber zur Verfassungsprü­fung am letzten Tag vor dem Parcoursspringen auf dem Platz nicht mehr an.

Sonst brauchte in der letzten Verfassungsprüfung kein Pferd herausgenommen zu werden, es waren aber auch 18 Pferde weniger. Es gab doch etliche Verweigerun­gen,. denn man mußte vielfach sehr akkurat anreiten und genau wissen, wo man springen wollte. Zehn waren eliminiert, die anderen hatten früher oder später aufgegeben. Glücklicherweise gab es keine nachhaltigen Verletzungen, die Reiter waren sogar so fit, daß sie einen fröhlichen Zeltabend mit viel Tanz am Geländetag mitmachten.

Sieg für Italien

Im abschließenden Springen konnten die Italiener sowohl in der Mannschafts- als auch in der Einzelwertung ihre Spitzenposition halten. Drei von ihnen konnten sogar mit ihrem Dressurergebnis beenden, das heißt, daß sie weder im Gelände noch beim Springen auf dem Turnierplatz, wo deren guter Stil auffiel, noch Minuspunkte bekommen mußten. In der Mannschaft standen sie mit über 30 Punkten vor Frankreich, dicht gefolgt von Belgien, das alle vier Teamreiter durchbrachte. Frankreich und Deutschland, das an vierter Stelle placiert war, hatten noch je drei Reiter in der Wertung. In der Einzelwertung lag hinter Italiens Stefano Brecciaroli mit dem aus England stammenden Blue J, einem aparten Schwarzschimmel, der Schwede Magnus Oesterlund mit Sir Berry. An vierter und neunter Stelle lagen die beiden deutschen Reiterinnen Stefanie Hendess, die durch drei und Marie-Jeanette Steinle, die durch vier Abwürfe vom ersten und zweiten Platz abrutschten, also, das war bitter, aus den Medaillenrängen kippten.

                                                                                            Erika Andersen

 

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