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Buschreiter.de aktuell: Interview Michael Spethmann

Ein Spitzenfunktionär im Sattel

Der neue Vorsitzende des Vielseitigkeitsausschusses des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), Michael Spethmann, ist der oberste Funktionsträger des Vielseitigkeitssports — und selbst nach wie vor aktiver Reiter im Busch bis zum Zwei-Sterne-Niveau (im Bild mit Irish Rose in Schenefeld 2005). Der 45-jährige Kaufmann denkt auch nicht daran, mit der Übernahme des einflussreichen Ausschuss-Vorsitzes den Sport aufzugeben. "Es ist sicher ein Plus, dass ich noch reite, da ich weiß, welche Bedürfnisse die Reiter haben", sagte Spethmann im Interview, das buschreiter-Herausgeber Wolf-Dietrich Nahr am Rande des CCI**** Luhmühlen führte. Michael Spethmann hat drei Mal an Europameisterschaften der Junioren und Jungen Reiter und einmal an der Deutschen Meisterschaft in Luhmühlen (1983) teilgenommen. 1977 war er Einzel-Europameister der Junioren in Fontainebleau/Frankreich. Im bürgerlichen Leben ist er einer von drei Familiengesellschaftern und Vorstand der Laurens-Spethmann-Holding ("Milford", "Messmer", "Schneekoppe"). Das Interview im Wortlaut: Buschreiter: Der Vorsitzende des DOKR-Vielseitigkeitsausschusses hat ja bekanntermaßen recht zeitraubende Aufgaben. Bedeutet die neue Funktion, dass Sie sich als Reiter aus dem aktiven Sport verabschieden? Michael Spethmann: Nein, ganz sicherlich nicht. Das ist auch eine Frage des Zeitmanagements. Meine Familie unterstützt mich zum Glück. Meine Kollegen in der Firma erlauben das auch. Man muss natürlich die Terminplanung etwas verfeinern und abstimmen. Es ist sicher ein Plus, dass ich noch reite, da ich weiß, welche Bedürfnisse die Reiter haben. Ich kenne aus dieser Perspektive beispielsweise die Schwierigkeiten und Stärken der Veranstalter.

Buschreiter: Hat das Desaster der Medaillenaberkennung von Athen im Spitzensport oder auch in der breiten Öffentlichkeit noch Nachwirkungen? Depression oder eine Gerade-jetzt-Haltung?

Michael Spethmann: Wir haben gestern im Gelände gesehen, dass wir positive Nachwirkungen haben. Das haben die Zuschauerzahlen bewiesen. Auch die Sympathie für die Reiter ist unbedingt da. Wir machen weiter und wir wollen uns die Medaillen holen, die wir in Athen nicht bekommen haben. Dazu sind wir sicherlich in der Lage. Buschreiter: Seit 2000 hat Ihr Vorgänger Prof. Dr. Jens Adolphsen viele Veränderungen auf den Weg gebracht - neue Trainer, neue Sichtungswege, Perspektivgruppe usw. Welche neuen Schwerpunkte wollen Sie setzen? Michael Spethmann: Jens Adolphsen hat im Ausschuss einen tollen Job gemacht. Es wäre falsch, wenn man das nicht fortführen würde. Deshalb geht es vor allem um eine Fortsetzung des Geleisteten. Ich sehe einen Schwerpunkt bei der Jugendarbeit, um so den Nachwuchs für die Zukunft zu sichern. Buschreiter: Glauben Sie, dass sich die Professionalisierung des Spitzensports noch intensivieren muss, damit deutsche Reiter auf der internationalen Bühne noch konkurrenzfähiger werden? Michael Spethmann: Das laufende Spitzensportförderungskonzept trägt ja Früchte. Ich glaube, dass man talentierte Reiter mit der entsprechenden Einstellung wirkungsvoll fördern muss. Das ist ein richtiger Ansatz, der unbedingt fortgeführt werden muss. Buschreiter: Die Jungen Reiter und die Junioren sind seit Jahren bei internationalen Championaten außerordentlich erfolgreich - eine wahre Medaillenflut. Nur hat man das Gefühl, dass dieses Potenzial nicht voll und ganz im Senioren-Spitzensport ankommt. Wie lässt sich das ändern? Michael Spethmann: Die Perspektivgruppe setzt ja genau da an. Junge Reiter wie zum Beispiel Anna Junkmann werden weiter gefördert. Und das ist nur ein Beispiel. Man muss einfach Leute unterstützen, die bereit sind diesen Weg zu gehen. Das kann man nicht mit der breiten Masse machen, weil manche etwa mit dem Studium andere Prioritäten setzen. Diejenigen, die das wollen und die man zum Spitzensport motivieren kann, muss man entsprechend fördern. Dann wird auch die Lücke geschlossen. Buschreiter: Im Ein- und Zwei-Sterne-Bereich gibt es bei manchen Amateuren gewisse Frustrationen, weil sie mit den Profi-Vielstartern oft nicht mehr mithalten können. Hier und dort wird sogar die Forderung laut, diese Prüfungen für Profis und Amateure zu trennen. Halten Sie so etwas für sinnvoll oder abwegig? Michael Spethmann: Komplett trennen würde ich Profis und Amateure nicht. Wir haben mit den Ranglistenpunkten ein entsprechendes Instrument in der Hand. Die Veranstalter haben damit die Möglichkeit, die Prüfungen leistungsgerecht zu teilen. Im Prinzip finde ich es aber gut, dass man zusammen mit den Besten reitet, um sich mit denen zu messen und sich selbst dabei weiter zu entwickeln. Wenn ich Top-Reiter hier in Luhmühlen oder bei anderen Prüfungen sehe, dann ist das Ansporn. Buchreiter: In diesem Jahr steht die EM an, im nächsten Jahr stehen die Weltreiterspiele im eigenen Land an. Wagen Sie eine Prognose, wie viele Medaillen danach im Trophäenschrank hängen werden?

Michael Spethmann: Nein ...(lacht). Es gehört auch ein Quäntchen Glück dazu. Ich glaube, dass wir sehr gut vorbereitet sind, dass wir ein Top-Team haben, das auch über den Athen-Kader hinausgeht. Wir haben Chancen und die gilt es zu nutzen.

 

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